17. Oktober 2011

Zur Situation am Bahnhof Dornbirn: "Hauptsach keine Sandler, Jugendlichen, Punks und Türken am Bahnhof"

Seit längerer Zeit wird in Dornbirn über die Gefahr, den Alkoholkonsum und die Dringlichkeit einer größeren polizeilichen Überwachung diskutiert (ah, schön war die Zeit, als die Kameraüberwachung noch das Thema war). In Printmedien und Onlineforen wird diskutiert: es sei schrecklich am Bahnhof, zahlreiche Betrunkene und Alkoholflaschen am Boden, für eine Frau sei es unzumutbar, sich alleine in der Bahnhofsgegend zu bewegen, die Polizei sei so gut wie nie sichtbar, generell seien Einzelpersonen, Schüler und Kinder einem Gefahrenfeld ausgesetzt, etc. So erlebte ich die Situation gestern:


Gestern nachmittag treff ich von Innsbruck kommend am Bahnhof Dornbirn ein. Zuerst denk ich: ist da etwas passiert, da sich ungefähr sechs Polizisten in der Nähe des Sutterlütys aufhalten (zwei Motorräder und ein Bus). Dann erschließt es sich mir: natürlich, ist ja die - anscheinend von vielen - geforderte Polizeipräsenz. Nur, was stellt diese Situation für einen Ankommenden dar, welches Bild wird hier transportiert? Dass das letzte Mittel der Staatsmacht zur Kontrolle des öffentlichen Raumes (in der Kriminalitätshochburg Dornbirn) schon ausgeschöpft werden muss? Anscheinend ist dies für meine Mitbürger_innen dringend notwendig, wenn ein stark frequentierter Raum per se schon als "Gefahrenfeld" definiert wird (ins Wirtschaftszelt sollt man dann auch nicht mehr gehen, obwohl: dies wurde ja schon erfolgreich pazifiziert). Und wenn - wie in der Zeitung - als Indikator für die Gefahr drei Bierdosen herhalten müssen, dann soll halt der Reinigungsdienst der ÖBB diese Dosen entfernen. Derweil unterhalte ich mich mit Bekannten. Viel los ist zu dieser Zeit nicht: einige Menschen kaufen ein, andere warten auf den Bus. Ich beobachte, wie die Polizei nun zu Personenkontrollen schreitet, und "wahllos" einen Menschen auswählt, der etwas "verwahrlost" ausschaut. Spätestens hier denk ich: was für eine Sauerei. Die Bekämpfung der Armen (statt der Armut) ist voll im Gange und wird mehrheitlich unterstützt: aus den Augen, aus dem Sinn; hauptsach keine Sandler, Jugendlichen (Klassikmusik, haha), Punks und Türken am Bahnhof. Nun hat es "die Stadt" geschafft, dass ich mich hier nicht mehr wohlfühle. Mit einem mulmigen und zornigen Gefühl verlasse ich das Bahnhofsgelände.


Positiv erwähnt werden muss, dass die Stadt - in Gestalt ihres Pressesprechers - die Situation als nicht zu bedenklich einschätzt. "Klar ist, dass der Bahnhof ein Treffpunkt ist - bei dieser Frequenz ist das normal. Starke Polzeipräsenz und die Begleitung durch verschiedene Ebenen der Sozialarbeit haben sich aber durchaus bewährt. Es ist aber auch klar, dass nicht alle gesellschaftlichen Probleme und Erscheinungen allein mit polizeilichen Mitteln gelöst werden können." Mal schauen, wie lange der Wind noch in diese Richtung weht oder man vor der Paranoia einknickt.


Einen weiteren Artikel zum Thema Sicherheit in Dornbirn findest du hier.

2 Kommentare:

  1. Als wären alle Punks und Jugendlichen Straftäter...
    Das Polizeiangebot ist auch absurd!

    Da gäbs bessere Möglichkeiten!

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  2. Er, der er, nichts weiß.Oct 20, 2011 02:16 PM

    Mehr Polizei bedeutetet mehr spaß, geht einfach mal hin und verwikelt sie in ein gespräch, klar man muss sich dann ausweisen, aber das geht einfach, der pass, eine "amtliche" kopie der geburtsurkunde oder der führerschein reichen. man kann ihnen (polimerie) dann aber richtig zeigen, wie schön das leben ist. (vielleicht was zitieren oder ein liedchen singen)

    Ps. „You furnish the pictures. I’ll furnish the war.“ W. R. Hearst

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