Obwohl sich die Art Basel nur in einem sehr begrenzten Raum (in zwei Hallen der Messe Basel) situiert, ist sie im ganzen Stadtraum präsent (beginnend am Bahnhof über die Plätze, an denen Kunst öffentlich ausgestellt wird).
An den Eingangstoren der Art Basel scheidet sich die legitime von der illegitimen Kunst (vor den Toren versuchen Menschen, ihre Kunst an den Mann oder die Frau zu bringen). Frage: Können die Kunstschaffenden, die ausserhalb der Messetore Kunst anbieten, von der "Weiheanstalt" Art Basel profitieren oder büssen sie an Reputation und Legitimation ein?
Beim Grossteil der Besucher_innen handelt es sich um Kunstliebhaber_innen, die weniger am Handel mit als am Genuss von Kunst interessiert sind. Ihr Andrang zeigt und legitimiert gleichzeitig den Stellenwert der Kunst in der Gesellschaft. Der Besuch der Art Basel gleicht dem Besuch eines Museums oder einer Kunsthalle (inklusive dem obligatorischen Shop beim Ausgang).
In der Individualität ihrer modischen Kleidung bilden die Mitarbeiter_innen der Galerien eine Serie an Uniformierten. Der x-te exzentrische Schuh ist lediglich die x-te Ausprägung der einen Kategorie "exzentrisch".
In der Praxis des Handelns spielen ökonomische Merkmale (zunächst) eine untergeordnete Rolle. Vielmehr entscheidend ist soziales und symbolisches Kapital. Die Visitenkarte als Zeichen zieht ihre Wirkung nicht aus ökonomischem Kapital.
Kulturelles Kapital ist sehr ungleich verteilt: der verzweifelte Versuch eines jungen Mannes, der offensichtlich durch Erbe zu seinem Vermögen gekommen ist, sich im Gespräch mit einer Mitarbeiterin einer Galerie auf Augenhöhe über William Kentridge zu unterhalten, scheitert.
Dem meist älteren Herrn oder der meist älteren Dame nahe zu kommen - sie verkaufen schlussendlich die teuren Kunstwerke, ist gar nicht so leicht. Einem offensichtlich Kapitallosen gelingt lediglich das Gespräch mit einer meist jungen Dame.
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