14. April 2011

Die Angstmacherindustrie am Werken

Am 7.4.2011 schreibt Bettina Maier vom Medienhaus im VN-Bürgerforum Dornbirn von „in letzter Zeit“ „gehäuft“ auftretenden Meldungen, „wo [sic!] Personen, die alleine unterwegs waren, an Bahnhöfen, Bushaltestellen, oder sogar vor der eigenen Haustüre überfallen wurden.“ Die Lösung (ihre oder die Lösung anderer, man weiß es nicht) scheint klar zu sein: „Gefordert wird oft mehr Überwachung.“ Dabei stellt sie nüchtern fest: „Kameras können solche Übergriffe jedoch nur aufzeichnen.“ Sie wirft schließlich folgende suggestive Frage in den Raum: „Was kann ihrer Meinung nach getan werden, damit man kein mulmiges Gefühl zu haben braucht, wenn man nachts alleine nach Hause geht?“

Die Absicht (ich will sie ihr nicht unterstellen) zeigt Wirkung. Es finden sich bald Rückmeldungen ein, die einer weitergehenden Überwachung das Wort reden oder sie zumindest für ungefährlich halten. „Kameras finde ich gut, ich habe keine Sorge vor totaler Überwachung und bezüglich Privatsphäre - welcher Überwacher schaut sich schon 24-Stunden Video-Material von unzähligen Kameras an.“ „Daher bin ich für Kameras soweit diese kostenmäßig verträglich sind - inkl. Ausbau der bestehenden Überwachung.“ Doch es gibt auch Zweifler: „Allzuviel nützen die Kameras wohl nicht. Wurde jemals aufgeklärt, wer im vergangenen Winter die Lifttüre am Bahnhof in Dornbirn zerstört hat? Da wurde trotz der vielen Kameras am Dornbirner Bahnhof niemand ausfindig gemacht.“ Deshalb gibt es nur eine Lösung: „Mehr Polizeipräsenz wäre also unbedingt notwendig und zwar im ganzen Stadtbereich von Dornbirn.“ Ein Anderer philosophiert zugleich über die Arbeit der Polizei. „Überwachung zeigt sich auch durch Präsenz, Einschreiten, Aufklären und sogar Bestrafung.“ Na bravo. Dabei fehlt es auch nicht an generellen Einschätzungen zur Lage der Menschheit: „Mir macht der fehlende Respekt vor Polizei-Beamten Sorge (...)“. Es geht bergab...

Als es mich schon vor dem Eintreffen ähnlicher Meldungen graust, zeigt sich zu meiner großen Freude Widerstand. Zunächst wird in Frage gestellt, ob es die gehäuften Überfalle auf Personen überhaupt gibt. „Könnten Sie uns eine Liste der gehäuften Meldungen zur Ansicht bringen, die dieses mulmige Gefühl zu haben brauchen, untermauer.“ „Ich (...) fordere Belege bzw. Statistiken der anscheinend so stark zunehmenden Überfall-Kriminalität in Dornbirn.“ „Gerne würde ich auch die dementsprechenden vermehrten Meldungen einsehen, die Angst haben sich in Dornbirn nachts alleine zu bewegen (sind sicher sehr phantasievolle Schilderungen).“ Eine Antwort bleibt Frau Maier bis heute schuldig. Zudem wird auf das mulmige Gefühl, das man anscheinend zu haben braucht, angespielt. „(...) ich habe an keinem Ort in Dornbirn ein mulmiges Gefühl, wenn ich alleine unterwegs bin, egal zu welcher Zeit.“ „Zum Fürchten sind höchstens Jene, die uns eine solche ‚Angst im Dunkeln‘ suggerieren wollen.“

Nach diesem Aufflackern von Einspruch ist es still im Forum. Es findet sich auch – wie üblich – in der heutigen Heimat-Ausgabe keine Zusammenfassung der Diskussion. Kein Wunder bei solchen Resumées: „(...) schon wieder so ein Versuch von künstlicher Panikmache.“ Vielleicht zeigt auch folgende Aufforderung Wirkung: „Frau Bettina Maier vom Vorarlberger Medienhaus möchte ich darum bitten in Zukunft nicht mehr mit derartig provokanten Fragestellungen künstlich zu versuchen eine Diskusion im Forum zu erzeugen.“

In diesem Sinne bin ich gespannt auf die nächste Frage.


Zum Nachlesen der Diskussion (letzter Besuch: 14.4.2011): http://forum.vn.vol.at/vnportal/wp-buergerforum/forum.php?list=dornbirn&monat=2011-04&msg=msg00000.html

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