Zusammenfassung: Den Hintergrund der Studie bildet die These, dass sich die Raumkonstitutionen bzw. die Nutzung von Räumen durch Jugendliche aufgrund ihrer Verfügungsmöglichkeiten über ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital, aber auch Geschlecht und Migrationshintergrund, deutlich voneinander unterscheiden. Kurz: Die Räume der Stadt sind durchzogen von sozialer Ungleichheit; die Räume Jugendlicher differenzieren sich ebenso, wie es unterschiedliche Ausprägungen der Lebensphase Jugend gibt; das soziologisch Interessante ist das differente Wie der Raumnutzung durch unterschiedliche Gruppen von Jugendlichen.
Die Erhebung mittels schriftlichem Fragebogen wurde von Oktober bis Dezember 2009 in den Räumlichkeiten mehrerer Schulen (BG Dornbirn, BRG Schoren, HTL, Poly) und Arbeitsstätten (Jugendwerkstätten, ÜAZ, Zumtobel) durchgeführt. Als Auswahlverfahren wurde das Quotenverfahren verwendet; das heißt, es wurde versucht, die Struktur der Jugendlichen in Dornbirn hinsichtlich der Variablen Jahrgang, Geschlecht, Religion und Staatsangehörigkeit in der Stichprobe nachzubauen. Insgesamt wurden 110 Jugendliche befragt, die den Jahrgängen 1995 bis 1992 angehören (zum Zeitpunkt der Befragung waren sie zwischen 14 und 17 Jahre alt).
In einer ersten offenen Frage wurden die Jugendlichen gebeten, einen Lieblingsort in Dornbirn bzw. einen Ort, an dem sie überhaupt nicht gerne sind, anzugeben. 83 mal wurde ein Lieblingsort angeführt, wobei 37 verschiedene Orte genannt wurden: mit 14 Nennungen (16,8%) steht die Stadt bzw. die Innenstadt an erster Stelle, gefolgt vom Jugendtreff Arena und dem Messepark mit jeweils 9 Nennungen (10,8%). Weiters folgen der Bahnhof, der McDonald’s und die Dornbirner Ach. Interessant ist, dass der Bahnhof siebenmal (8,4%) als Lieblingsort genannt wird, während er bei der Frage nach dem Ort, an dem man überhaupt nicht gerne ist, mit 20 Nennungen (46,5%) mit Abstand der am häufigsten genannte Ort ist (lediglich die Schule mit vier Nennungen (9,3%) wird darüber hinaus mehr als dreimal angegeben). Daran wird ersichtlich, dass an einem Ort unterschiedliche Räume entstehen können: einerseits ein Raum der Begegnung und Kommunikation, andererseits ein mit Angst besetzter Raum.
Den Hauptteil der Studie bildet eine Aktionsraumanalyse. Dabei wurden die Jugendlichen ersucht, für den jeweils letzten Werktag und Sonntag für jede Viertelstunde anzugeben, wo sie was mit wem gemacht haben. Die Orte und Aktivitäten wurden mittels Inhaltsanalyse zu Raum- und Aktivitätstypen zusammengefasst. Zum Beispiel wurden die Angaben „Birkenwiese“ und „Turnhalle“ zu dem Raumtyp „Sportplatz-halle“ zusammengefasst. Rechnet man alle 110 Jugendlichen zusammen, sind für einen durchschnittlichen Werktag sowie einen Sonntag jeweils Informationen zu 10560 Zeitabschnitten zu je einer Viertelstunde verfügbar. Als Gruppenvariablen werden das Alter, das Geschlecht, der Migrationshintergrund (ist vorhanden, wenn der oder die Jugendliche selbst oder mindestens ein Elternteil im Ausland geboren ist) sowie ein sogenannter ökonomisch-kultureller Status (drei Gruppen, die sich hinsichtlich der Verfügung über kulturelles und ökonomisches Kapital relativ voneinander unterscheiden) verwendet.
An einem durchschnittlichen Werktag sind Jugendliche zu 55,7 Prozent daheim, zu 20,9 Prozent in der Schule, zu 5,4 Prozent an ihrem Arbeitsplatz, zu 4,3 Prozent halten sie sich draußen auf, zu 3,5 Prozent in sonstigen Privaträumen, zu 1,3 Prozent an einem nicht näher spezifizierbaren Ort in Dornbirn, zu 1,2 Prozent auf einem Sportplatz oder in einer -halle, zu 0,9 Prozent in einem Jugendtreff, zu 0,8 Prozent in einem Einkaufszentrum sowie in einer Bar und zu 0,6 Prozent an einem Bahnhof. Die weiteren Raumtypen folgen mit 0,5 Prozent oder weniger.
Betrachtet man für einen durchschnittlichen Werktag, in welchem Ausmaß einzelne Gruppen von Jugendlichen unterschiedliche Räume in ihre Nutzungen miteinbeziehen, zeigen sich deutliche Unterschiede. So sind weibliche Jugendliche deutlich öfters in den Raumtypen Bar, Institution, Bahnhof und Einkaufszentrum anzutreffen, als ihr Anteil an der Stichprobe erwarten ließe, während hingegen männliche Jugendliche in den Raumtypen Arbeitsplatz, Sportplatz-halle und Jugendtreff deutlich überrepräsentiert sind. Jugendliche, die über einen Migrationshintergrund verfügen, halten sich öfters in den Raumtypen Jugendtreff, Institution, Geschäft, Arbeitsplatz, PrivatraumSonstige und Einkaufszentrum auf; hingegen sind Jugendliche ohne Migrationshintergrund in den Raumtypen Schulgebäude, Sportplatz-halle und Bahnhof überrepräsentiert. Jugendliche mit relativ hohem ökonomisch-kulturellen Status sind öfters in den Raumtypen Kulturort, Tanzschule, Musikschule und Schulgebäude vorzufinden, Jugendliche mit relativ niedrigem ökonomisch-kulturellen Status hingegen in den Raumtypen Einkaufszentrum, Arbeitsplatz und Jugendtreff. Hier wirkt sich der hohe Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und ökonomisch-kulturellem Status aus: Jugendliche, die einen Migrationshintergrund aufweisen, verfügen eher über einen relativ niedrigen ökonomisch-kulturellen Status als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Deshalb sind sich die Gruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund und die Gruppe der Jugendlichen mit niedrigem ökonomisch-kulturellen Status in ihrer Raumnutzung sehr ähnlich.
Die folgende Abbildung zeigt den Zusammenhang zwischen dem sozialen und dem physisch angeeigneten Raum. Einerseits sind die drei verschiedenen Gruppen mit unterschiedlichem ökonomisch-kulturellen Status sichtbar, andererseits die Raumtypen, die Jugendliche in ihre Raumnutzungen miteinbeziehen. Beispielsweise wird ersichtlich, dass Jugendliche, die sich in dem Raumtyp Arbeitsplatz befinden, eher über einen relativ niedrigen ökonomisch-kulturellen Status verfügen als über einen mittleren oder gar einen hohen ökonomisch-kulturellen Status.
Dieselbe Analyse kann für einen durchschnittlichen Werktag für die Aktivitäten durchgeführt werden. Betrachtet man noch die Raumnutzung an einem durchschnittlichen Sonntag, zeigt sich, dass in erhöhtem Maße der Aufenthalt daheim relevant ist. Zu 72,5 Prozent halten sich Jugendliche an einem Sonntag zuhause auf, gefolgt von 10,5 Prozent Aufenthalt in sonstigen privaten Räumen. Draußen halten sich Jugendliche zu 4,2 Prozent auf, in einem Jugendtreff zu 1,8 Prozent, an einem nicht näher spezifizierbaren Ort zu 1,6 Prozent, auf einem Sportplatz oder in einer -halle zu 1,2 Prozent, in einer Bar zu 1,1 Prozent und an einem nicht näher spezifizierbaren Ort in Dornbirn zu 1,0 Prozent; andere Raumtypen werden zu weniger als 1,0 Prozent in die Raumnutzung miteinbezogen.
Jugendliche treffen in ihren Versuchen, Raum zu konstituieren, stets auf andere Akteure, die, ebenso ausgestattet mit einer bestimmten Verfügungsmacht über Raum, selbst Raum konstituieren und ihn in Anspruch nehmen wollen. Die mögliche Folge sind Konflikte, die von verbaler Beschimpfung bis zu körperlicher Gewalt reichen können. Die Analyse zeigt, dass Jugendliche in Dornbirn zu über 30 Prozent in den letzten drei Monaten eine Verdrängungserfahrung gemacht haben; das heißt, dass sie von der Polizei oder Securities von einem Ort, an dem sie waren, weggeschickt wurden. Von Verdrängung durch Erwachsene waren zirka 28 Prozent betroffen, von Verdrängung durch andere Jugendliche etwa acht Prozent. Sowohl bei der Verdrängungserfahrung wie auch der Konflikterfahrung gibt es fast ausschließlich einen signifikanten Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Jugendlichen. So finden sich zum Beispiel hinsichtlich der Konflikterfahrung „Stress mit Jugendlichen anderer Nationalität“ keine Unterschiede zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund.

Lieber Thomas,
AntwortenLöschenich finde die Arbeit super spannend. Ich stehe auch gerade am Anfang meiner Diplomarbeit mit einem ähnlichen Thema. Es ist sehr schwer mir deine Arbeit in Hardcopy zu besorgen und ich bräuchte sie sehr dringen. Ich wollte dich bitten, ob du mir deine Arbeit eventuell per Email zuschicken könntest?
Liebe Grüße,
Anna
liebe Anna, schick mir bitte eine mail an tmazze (at) hotmail.com, dann kann ich sie dir gerne per mail zukommen lassen. lg, thomas.
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